Wimmer Wilkenloh: Eidernebel

Akribisch recherchiert und ein unterhaltsamer nervenkitzel

 

Nordfriesland wird von grauenhaften Verbrechen erschüttert: Mehrere weibliche Mordopfer werden nach und nach in Eiderstädter Kirchen aufgefunden. Der Täter scheint eine Vorliebe für sakrale Orte zu haben. Nun hat Eiderstedt insgesamt 18 Kirchen – ein Serienkiller könnte sich hier noch sehr lange austoben. Zum Glück wird er aber bereits nach den ersten Morden gefasst. 

 


Dies ist nicht der erste Fall des Kommissars Stephan Mielke Swensen. Autor Wimmer Wilkenloh lässt den inzwischen in Witzwort bei Husum lebenden Kriminaler in insgesamt sieben Nordfriesland-Krimis ermitteln. Swensen ist Buddhist. Weisheiten seines buddhistischen Lehrers inspirieren seinen Alltag. Die Philosophie dieser Religion mag unterstützen, dass der Ermittler ausgeglichen und geistig gesund wirkt. Gerade diese Eigenschaften büßen viele Kommissare in Literatur und Film berufsbedingt ein. Angenehm, dass hier einmal kein Säufer, Psychopath oder Dauerquerulant die Ermittlungen leitet.

 

 

„Eidernebel“ ist der vierte Fall des Kommissars. Die Aufklärung der brutalen Verbrechen führt Swensen und seine Kollegen in die Abgründe personalpolitischer Machenschaften großer Discounter. „Eidernebel“ erschien erstmalig 2011, ist aber mit seinem kritischen Blick auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Einzelhandel 2020 wieder hochaktuell: Dank Pandemie erfahren die Angestellten im Handel derzeit breite Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Davon dürften die meisten Verkäufer*innen in der Vergangenheit nicht allzu viel erfahren haben. Als ehemalige Ausbilderin erwachsener Menschen im Einzelhandel mein Apell: Nicht Nachlassen bei der Wertschätzung und bitte unbedingt Nachbessern bei der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen! 

 

Solche Forderungen stellten auch die Mordopfer dieses Romans an ihre Konzernchefs. Ließen die Personaler sie deshalb nicht nur ausspionieren sondern sogar umbringen?

 

 

 

Das sogenannte Zellgedächtnis ist ein Phänomen, mit dem ich mich noch nicht befasst habe. Wimmer Wilkenloh ist davon fasziniert. Können sich unsere Zellen erinnern? Bringen transplantierte Organe Wissen und Erfahrungen des Organspenders mit? Kann sich der Organempfänger an Erlebnisse des Spenders erinnern? Die Thesen hierzu spielen eine wesentliche Rolle bei der Aufklärung einer der Morde. Etwas unheimlich und äußerst spanungsvoll, aber auch ziemlich abgedreht finde ich das. Das Zellgedächtnis gibt der Story einen zusätzlichen Nervenkitzel.

 

 

 

 

 

 

Lieblingsgewässer Eider als Kulisse

Autor Wilkenloh jagt sein Ermittlerteam quer durch Nordfriesland. Die Orte, an denen die einzelnen Protagonisten auftreten, gibt es genauso in der Realität und die Gegebenheiten vor Ort hat Wilkenloh akribisch recherchiert. Ob Husum, Koldenbüttel, Simonsberg, Friedrichstadt, Sankt Peter Ording oder Witzwort – Herr Wilkenloh war überall.

 

 

 

Eigentlich mochte ich solche regionalen Kriminalromane nie. Das ändert sich gerade. „Eidernebel“ ist bei mir gelandet, weil ich den Fluss Eider liebe. Allein der Romantitel hat mich zum Kauf verführt. Gelesen habe ich diesen Krimi im vergangenen Winter, nur wenige Meter vom Eiderdeich entfernt. Für mich war es eine spannende Lektüre, die mich auf über 400 Seiten bestens unterhalten hat. Ich werde Wiederholungstäterin.

 

 

Wimmer Wilkenloh: „Eidernebel. Ein Nordfriesland-Krimi“, Verlag Gmeiner, ISBN: 978-3-8392-1115-1

 

Buchcoverfoto: Verlag Gmeiner

 

 

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