Andy Neumann: Es war doch nur Regen!?

Andy Neumann: Es war doch nur Regen!?

 

ISBN: 978-3839229460

 

Verlag Gmeiner

 

Klappentext:

„Ohne Vorwarnung kam die Flut über das Ahrtal. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 brach eine Katastrophe über die beschauliche Weinregion herein. Zurück blieben Schlamm, unfassbares Leid und viele Jahre harter Arbeit, die den Bewohnern nun bevorstehen. Andy Neumann nimmt die Leser mit in diese Situation und macht auf sehr persönliche Weise deutlich, welche Kämpfe die Bewohner des Ahrtals durchstehen mussten. Feinsinnig und mit einer Prise Humor, insbesondere aber von einem klaren Willen geprägt: weitermachen.“

 

 

„Es war doch nur Regen!?“ trägt den Untertitel „Protokoll einer Katastrophe“ und liest sich wie ein Tagebuch, das der Autor nachträglich mit Zusammenfassungen und Kommentaren versieht. Andy Neumann hat seine persönlichen Erlebnisse aus der Katastrophennacht und den Wochen danach aufgeschrieben. Zunächst teilte er seine Eindrücke bei Facebook, als eine Art Selbsttherapie, um die Ereignisse besser verarbeiten zu können. Damit begann er bereits in der Nacht der Überflutung. Schließlich kam er, der bereits einen Kriminalroman beim Verlag Gmeiner veröffentlichte, mit seinem Verlag überein, ein ganzes Buch über die Katastrophe zu schreiben. Das Besondere an diesem Buchprojekt: Autor und Verlag spenden den Erlös aus dem Verkauf des Buchs an die Flutopfer. Damit dies gelingen kann, musste der Autor ungeachtet der Umstände schnell sein. Sein Buch sollte binnen weniger Wochen geschrieben und lektoriert werden. Denn, da macht sich niemand etwas vor: In einigen Monaten ist die Flutkatastrophe aus dem öffentlichen Bewusstsein noch weiter entschwunden. Das Interesse am Schicksal der Menschen erlahmt. Schon jetzt – keine drei Monate danach – sind die Medien weitgehend durch mit der Flutkatastrophe. Die Menschen im Ahrtal aber sind es nicht und werden es voraussichtlich noch über viele Jahre nicht sein.

 

Der ganze Bericht von Andy Neumann kam rasch aufs Papier und ich habe ihn hastig gelesen. Er macht etwas atemlos – anders geht’s ja auch gar nicht. Heute noch in Todesangst und in völliger Zerstörung, Stunden später schon pragmatisch und stoisch beim Aufräumen, Säubern, Organisieren, Helfen in der Nachbarschaft. Hochs und Tiefs. Mal der Held. Mal das Opfer. Überwältigende Hilfe aus allen Ecken der Welt. Rechte Dumpfbacken, die die Katastrophe nutzen, um mit Fakenews und hohlen Parolen Unsicherheiten unters Volk zu bringen. Da findet Neumann den adäquaten Umgangston. Und was ist mit den verantwortlichen Politikern und Entscheidungsträgern? Um manche von ihnen kümmert sich inzwischen die Staatsanwaltschaft und das ist auch gut so.

 

Andy Neumann hat das Buch vermutlich so geschrieben, wie er seine Geschichte auch mündlich erzählen würde. Die Stimmungswechsel, seine Verzweiflung, seine Hoffnung, sein Humor und die Liebe zu seiner Familie, die ihn stets antreibt, erleben die Leser unmittelbar mit.

 

In den Autoreninfos heißt es „Neumann lebt mit seiner Familie im Ahrtal und wird dies auch weiterhin tun.“ Damit ist er ein Hoffnungsträger für viele, die ihre Heimat Ahrtal nicht aufgeben, sondern wieder aufbauen wollen. Sein Buch trägt bestenfalls dazu bei, die Menschen im Ahrtal weiterhin im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu haben, damit Hilfe und Solidarität nicht abreißen.

 

Ich empfehle das Buch von Andy Neumann als das was es zunächst ist, als lesenswertes "Protokoll einer Katastrophe" und als Möglichkeit, sich minimal zu solidarisieren. Möge durch den Buchverkauf eine üppige Summe für die Opferhilfe zusammenkommen. 

 

Die nachfolgenden Fotos (Ralf Frisch) sind von Anfang Oktober 2021. Sie sprechen wohl für sich und lassen erahnen, welch langer Weg noch vor den Ahrtalern liegt.

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